Digitalisierung und Innovation im Handwerk – Interview mit Kerstin Wiktor von der Handwerkskammer Berlin

Digitalisierung und Innovation im Handwerk – Interview mit Kerstin Wiktor von der Handwerkskammer Berlin

Was ist die Aufgabe der Beauftragen für Innovation und Technologie (BIT) in der Handwerkskammer?

BIT’s sind Berater in Handwerkskammern und Fachverbänden, die vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi)  gefördert werden, um Wissens- und Technologietransfer im Handwerk zu unterstützen. Jede*r BIT ist Teil eines bundesweiten Netzwerkes von rund 100 Beratern. Dadurch ist es möglich, für nahezu alle handwerksrelevanten Themenfelder auf Experten zugreifen zu können.  Die kostenfreie BIT-Beratung hilft Betrieben mit maßgeschneiderten Instrumenten ihre Position im Wettbewerb durch Innovation und Technologie zu verbessern. Wir verfolgen Technologietrends, pflegen Netzwerke und Kooperationen und bringen Handwerksunternehmen mit Wirtschaft und Wissenschaft zusammen.

Wie nimmt die Digitalisierung schon heute Einfluss auf das klassische Handwerk?

Schon heute wirkt sich die Digitalisierung auf die Innovation im Handwerk aus. Die Kommunikation zwischen Baustelle und Büro sowie auch mit Kunden läuft vielfach elektronisch – Die Nutzung von App‘s und Social Media sind normal. Viele Handwerksbetriebe setzen Smartphones oder Tablets im Alltag ein. Daten werden von der Baustelle direkt in die Planung, das Warenwirtschaftssystem oder das Abrechnungssystem übernommen.
Genauere Kalkulation oder Abrechnung führen zur Ressourceneffizienz. Digitale Anwendungen dienen zudem auch dem Sicherheits- und Gesundheitsmonitoring und damit dem Schutz des Unternehmens und der Mitarbeiter.

Digitale Werkzeuge, wie CAD oder CAM sind in den entsprechenden Gewerken selbstverständlich.

Noch nicht so weit verbreitet sind Technologien wie z.B. VR/AR, additive Fertigung oder BigData-Anwendungen. Sie wirken aber schon auf die Innovation im Handwerk, z.B. weil Kunden danach fragen.

Welche Gewerke profitieren schon heute stark von Digitalisierung und wie?

Das kann man so einfach nicht beantworten. Irgendwie profitieren alle Gewerke von digitalen Anwendungen, z.B. im kaufmännischen Bereich, weil Abläufe einfach übersichtlicher abgewickelt werden, Kunden besser bedient oder Rechnungen schneller gestellt werden können. Zudem wird digitale Übermittlung von Daten ja auch z.B. vom Finanzamt oder Lieferanten gefordert – da kommt man nicht drum herum. Und eine moderne Website zu haben, ist auch für alle Gewerke vorteilhaft.

Beim Einsatz digitaler Technologien sieht das etwas anders aus. Da profitieren produzierende Gewerke sicher etwas stärker, als reine Dienstleister.

Wie kann das Aktionsprogramm Handwerk Betriebe in Berlin unterstützen?

Mit dem Aktionsprogrammfür mehr Innovation im Handwerk haben wir ein Instrument, welches in gemeinschaftlicher Arbeit von Kammer, Innungen und des Senates sowie weiteren Akteuren entstanden ist und welches den Bedarf des Berliner Handwerks sehr gut abbildet. Deshalb wurden im aktuellen Aktionsprogramm 2018-2020 über 30 Maßnahmen vereinbart, um das Handwerk zu stärken. Für die Umsetzung der Maßnahmen hat der Senat Fördermittel bewilligt. Die Umsetzung der Maßnahmen wird regelmäßig überprüft.

 Wie setzen Betriebe den 3D Druck schon heute ein?

Additive Verfahren, wie 3D-Druck setzen heute erst ausgewählte Gewerke bzw. eine überschaubare Anzahl Handwerksbetriebe ein. Allen voran stehen dabei Zahntechnik, Hörakustik oder Modellbau. Hier ist 3D-Druck inzwischen ein etabliertes Verfahren. In anderen Gesundheitshandwerken, wie der Orthopädietechnik oder der Augenoptik nimmt die Verbreitung zu. Hier sind es die Innovativen, die traditionelle Fertigung durch additive Verfahren ersetzen. Gewerke wie der Metallbau oder das Tischlerhandwerk  stehen noch am Anfang, was sicher auch durch die Druckbarkeit von Materialien bedingt ist. Der Preis für professionelle Drucker in diesem Bereich ist ein Faktor, der die Anwendung in der Breite beeinflusst. Es gibt aber auch Gewerke, bei denen eine Anwendung nicht zwangsläufig zu mehr Geschäft führt, wenn Sie z.B. an Gebäudereiniger oder Friseure denken.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten bietet der Senat und die Handwerkskammer Berliner Betrieben um neue Technologien zu integrieren und Mitarbeiter weiterzubilden?

Mit unseren Infoveranstaltungen, Workshops oder individuellen Beratungen bieten wir als Kammer diverse Möglichkeiten, den Zugang zu Technologien sowie  Projekt- oder F&E-Partner zu finden. In unserem Bildungszentrum werden zahlreiche Weiterbildungskurse angeboten. Für Technologien, die wir selbst nicht im Haus haben, binden wir externe Partner ein. So kam es auch zur Zusammenarbeit mit MotionLab und der Berlin Tech Academy. Mithilfe der Förderung durch den Senat konnten wir sehr attraktive Angebote erarbeiten, die den Betrieben direkten Nutzen bringen.

Wir nutzen unser Netzwerk und die Einbindung in Gremien, den Betrieben „auf die Sprünge zu helfen“. Letztlich ist es aber Aufgabe des Unternehmers, von diesen Angeboten Gebrauch zu machen.

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